Interview Michel Müller

Michel Müller, danke dass Sie sich Zeit nehmen und uns ein paar Fragen beantworten.

 

Zu Ihrem Amt; was für Aufgaben stellen sich einem Kirchenratspräsidenten?

Der Kirchenrat ist die oberste leitende und vollziehende Behörde der reformierten Kirche im Kanton Zürich. Als Präsident leite ich die Sitzungen, in denen viele Beschlüsse gefasst werden, die das Leben in der Landeskirche und in Kirchgemeinden betreffen. Als Präsident vertrete ich die Landeskirche auch gegenüber anderen Kirchen, Religionen und dem Staat. Und ich engagiere mich als Pfarrer auch an Predigten, Gottesdiensten und vielen Gesprächen.

Was bedeutet „gemeinsam glauben“ aus Ihrer Sicht?

Das bedeutet nicht in erster Linie dasselbe glauben, das ist auch gar nicht möglich. Es meint vielmehr, dass wir als Christen und manchmal als religiöse Menschen überhaupt darin verbunden sind, dass wir in unserem Leben nach Gott fragen und unser Leben nicht im Diessseits aufgehen lassen. Deshalb glauben wir auch einander, was meint, wir versuchen einander als Mitmenschen zu vertrauen und zunächst einmal das Gute vom Bruder, von der Schwester im Glauben zu erwarten.

 Können Sie ein Beispiel der überkonfessionellen Zusammenarbeit der Landeskirche nennen?

Sehr stark sind wir in der gemeinsamen Seelsorge im Notfall, im Spital, im Gefängnis, im Flüchtlingszentrum, also wo Menschen in Not sind. Die Sammelaktionen Brot für Alle und Fastenopfer machen sehr viel gemeinsam und sind darin sehr erfolgreich in den gemeinsamen Kampagnen. Also generell: in der tätigen Nächstenliebe hört der Nächste nicht an der Konfessionsgrenze auf, Nächster zu sein. Ich meine, dass die Kirchen hier sehr glaubwürdig sind im Tun des Guten.

Wo sehen Sie Hürden und grundlegende Unterschiede zu den anderen christlichen Konfessionen?

Reformiert Christen lassen einander viel Freiheit, was genau sie glauben. Das ist nicht für alle verständlich und braucht manchmal grosse Toleranz für das Christsein der Reformierten. Umgekehrt fehlt manchmal den reformierten das Verständnis dafür, was anderen Glaubensrichtungen ganz wichtig ist. Uns ist dafür die Gleichberechtigung in allen Ämtern sehr wichtig, insbesondere in den geistlichen Ämtern, wo wir fast die Hälfte mittlerweile von Frauen besetzt haben. Darin sind wir einzigartig als grosse Religionsgemeinschaft, und für die Anerkennung unseres Pfarramts ist das in der Ökumene auch ein Hindernis – leider!

 Wo sollten wir als Kirche in 5 Jahren stehen?

Die reformierten Kirchgemeinden haben in fünf Jahren die notwendigen Strukturanpassungen hoffentlich hinter sich und können sich darauf ausrichten, vielfältig für möglichst viele Menschen im Kanton Gutes zu tun. Dazu möge auch der Kirchentag Schwung und Inspiration verleihen, schliesslich wollen wir als Reformierte einen grossen Schatz in die Zukunft tragen.

 

Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen.

Wir freuen uns, dass Sie am Eröffnungsgottesdienst dabei sein werden.